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Der Kaufmann von Venedig

Ob dieses um 1595 uraufgeführte Stück als Komödie bezeichnet werden darf, sei dahingestellt. In jedem Fall aber wurde ein ernstes Thema komödiantisch verarbeitet. Um sich bei der reichen Erbin Porzia bewerben zu können, braucht Bassanio Geld. Sein Freund, der Kaufmann Antonio, borgt sich beim reichen Juden Shylock die benötigte Summe und gibt sie ihm. Als Schuldschein unterschreibt Antonio, dass der Jude bei Nichtzurückzahlung ein Pfund Fleisch aus Antonios Körper „nächst dem Herzen“ schneiden darf. Schließlich kommt es zu dem Fall, und Shylock will vor Gericht sein Recht durchsetzen. Von jetzt an zieht Shakespeare seine komödiantischen Register. In der Verhandlung tritt Porzia in Männerkleidern als Verteidiger auf und schafft es tatsächlich, das Gericht zu überzeugen. Shylock wird sogar selbst noch angeklagt und verurteilt. So steht dann einem glücklichen Ende nichts im Wege. Shakespeare wollte mit dieser Komödie sicher keinerlei antijüdische Stimmung machen, da es zu dieser Zeit in England offiziell keine Juden gab. Sie waren per Gesetz verbannt. Shylock war für Shakespeare nur ein farbiger und interessanter Charakter, der ihm überdies aktuelle Anspielungen auf die Ereignisse um Königin Elizabeth ermöglichte. Man kann sogar sagen, dass die christliche Gesellschaft schlechter bewertet wird als der Jude. Sehe wir also doch in dieser Handlung eine Komödie, die unabhängig von Religionen nur die menschlichen Schwächen zeigt, und die sind überall gleich.